Chronik

Katholisches Leben ist hier am Kyffhäuser mit den Anfängen des Christentums in unserem Lande verbunden: Bereits vor der Erstnennung der Stadt bestanden durch fränkische Siedlungen und später mit der Missionierung des Bonifatius christliche Gemeinden, die im Mittelalter, insbesondere mit der zentralen Bedeutung des Gebietes als Reichszentrum, in ihrer Struktur und Wesensart bedeutend wurden. Die Kirchenstandorte der Stadt zeugen von diesen Gründungen: die ehemalige Petrus-Basilika (Altstädter Kirche), die romanische Wallfahrtskirche auf dem Berge (Ruine Oberkirche) sowie die zum Zisterzienserkloster zugehörige Unterkirche, die heute Hauptkirche der evangelischen Gemeinde ist. Die ehemalige Stadtkirche St. Jacobus stand am Markt und brannte 1546 ab. Das Presbyterium Frankenhausen umfasste auch damals schon 24 Pfarreien und gehörte zum Archediakonat Jechaburg. Enge Beziehungen bestanden auch zwischen der Stadt und dem Benediktinerkloster Göllingen, selbst über die Zeit der Reformation hinweg, als 1544 in der Oberkirche letztmals eine katholische Messfeier zelebriert worden war.

Erst 1771 wird wieder im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, zu dem die Unterherrschaft Frankenhausen zählte, auf Bitten von österreichisch-ungarischen Edelleuten eine katholische Messe gefeiert. Von Nordhausen, wo eine katholische Gemeinde existierte, begann in Sondershausen der Aufbau einer Missionsgemeinde, die später, etwa ab 1900, auch Frankenhausen mitbetreute. Waren es in Sondershausen zunächst vorrangig Soldaten, die betreut wurden, so betraf das in Frankenhausen zumeist polnische Landarbeiter. Als sich in Artern eine Pfarrkuratie gründet, wird die Gemeinde von dort versorgt. Insbesondere dem Frankenhäuser Schutzverein für Handel und Gewerbe war es zu verdanken, dass man den katholischen Einwohnern anbot, in der Gottesackerkirche Messfeiern zu halten. Doch erst mit der Entwicklung des Kurbetriebes und dem Aufbau des Kyffhäusertechnikums begann die Betreuung der Gläubigen in Frankenhausen. 1925 stellt Dr. Huppert, der Leiter des Kyffhäusertechnikums, nach Genehmigung durch den Stadtrat, den großen Hörsaal zur Verfügung. Am 6. Juni 1926 wird erstmals wieder in Frankenhausen eine katholische Messfeier gehalten. Noch im gleichen Jahr gründet sich der "Katholische Verein" Frankenhausen und die Studentenvereinigung "Winfriedia" am Technikum. Aus Artern kommend, übernimmt bereits 1928 Dr. Schleifstein, der Pfarrvikar Lange aus Artern ablöste, die Betreuung der Gemeinde mit allwöchentlichem Gottesdienst. Danach wird Dr. Werner Gemeindeseelsorger. Und schon am 4. Advent 1930 feiert die Kirchgemeinde in ihrer eigenen, neu erbauten Kirche, die der Himmelfahrt Mariens geweiht wird, Hl. Messe.

So kann ab 1935 Frankenhausen wieder eigene Pfarrkuratie in der Pfarrei Sondershausen im Bistum Fulda werden, mit einem eigens eingesetzten Pfarrvikar: Pfarrer Günther Hunold muss über die Jahre des Krieges und des Neuaufbaus dabei bedeutende Arbeit leisten:

Aus dem Rheinland und dem Saarland werden Bombengeschädigte in Bad Frankenhausen untergebracht, gegen Kriegsende kommen Flüchtlinge und Vertriebene aus den östlichen Gebieten des Deutschen Reiches in die Stadt und die umliegenden Orte. Die große Gemeinde sammelt sich neu und findet in der kleinen Kirche ihr Zentrum, aber nicht genügend Platz. Bereitwillig öffnen sich die Tore der evangelischen Gemeinden für Gottesdienste, ebenfalls geflüchtete Geistliche helfen bei der seelsorglichen Betreuung. Viele Namen helfender Menschen gibt es zu nennen. Vier Seelsorgezentren werden errichtet: Frankenhausen, Bilzingsleben, Heldrungen und Ringleben.

1948 kann eine Volksmission durchgeführt werden; 228 Firmlingen wird das Firmsakrament gespendet. 1949 löst Pfarrer Paul den bisherigen Ortspfarrer ab, der nach Erfurt berufen wird. Im gleichen Jahr kann in Bendeleben eine St.-Konrads-Kapelle geweiht werden.

In eine renovierte Pfarrkirche kommt 1951 ein neuer Pfarrer, Leo Koltermann. Ihm steht Herr Erzpriester Letzner bis 1959 helfend zur Seite. Drei Jahre später kann die Pfarrgemeinde das Grundstück an der Kyffhäuserstraße 62 als Pfarrhaus erwerben. Die Amtszeit Pfarrer Koltermanns ist durch solide und festigende Seelsorge und Aufbauarbeit gekennzeichnet. 1957 baut die Frankenhäuser Gemeinde ein Pfarrheim neben der Kirche. Im Jahr darauf feiert die Gemeinde unter großer Beteiligung die Primiz von Neupriester Wilhelm Palesch, der später Dechant in Sondershausen wird. Kapläne und Seelsorgehelferinnen stehen zur Seite. Namen wie Kaplan Kött und Kaplan Arand, Frl. Sluzalek und Frl. Steinwachs seien genannt. Aus dem Kreise der Laien gedenkt man gern des Küsters Herrn Rohn und Frl. Opis, die später erste Pfarrgemeinderatsvorsitzende wird.

1961, kurz vor dem Bau der Berliner Mauer, übernimmt Pfarrer Wandzioch, vorher Pfarrer in Jena und Gotha, die Pfarrei. Ein Jahr darauf wird Frau Schröter Seelsorgehelferin. Die Amtszeit von Pfarrer Wandzioch ist von Bauerneuerung und tätiger Kleinarbeit in der Seelsorge gekennzeichnet. In diese Zeit fällt auch das II. Vatikanische Konzil, die Amtszeit Papst Johannes XXIII. und die Liturgiereform der katholischen Kirche. So wird nach den Liturgieerneuerungen die Frankenhäuser Kirche umgebaut, aber auch im ökumenischen Zusammenleben ergeben sich mit den evangelischen Gemeinden neue Kontakte. Gemeinsame Kreuzwege werden gefeiert und -symbolisch- seit 1968 beten evangelische und katholische Christen wieder den gleichen Text des „Vater unser“. Ab 1967 steht dem Pfarrer Herr Pater Pietsch vom Leipziger Oratorium, im Ruhestand, helfend zur Seite, 1972 feiert die Gemeinde Priesterjubiläen beider Geistlicher. 1974 stirbt Pfarrer Wandzioch und wird unter großer Anteilnahme von der gesamten Frankenhäuser Bevölkerung und vieler auswärtiger Gäste in Bad Frankenhausen beigesetzt.

Fast sechs Monate bleibt die Pfarrstelle vakant, bis Pfarrer Kempa die Arbeit aufnimmt. Er führt bis 1991 die Arbeit fort. Die Gemeinde feiert mit ihm 1980 das 50-jährige Jubiläum unserer Pfarrkirche.

Nach der neu gewonnenen Einheit im Lande werden die Amtsgeschäfte vom Pfarrer aus Greußen übernommen. Ab 1991 steht ihm für den Bereich der Pfarrei Bad Frankenhausen der Militärseelsorger Pfarrer Gremler zur Seite, der neben seiner Arbeit in den Dienststellen der Bundeswehr die Seelsorge für die Gesamtgemeinde übernimmt. Ab 1994 ist Pfarrer Ciopcia als Pfarrer von Greußen und Bad Frankenhausen für die Kirchgemeinde zuständig. Das Pfarrhaus in der Kyffhäuserstraße wird zugunsten eines Neubaus direkt auf dem Kirchengelände, der 1993 eingeweiht wird, aufgegeben. 1997 beginnt eine umfassende Restaurierung des Kirchenbaus der 30er Jahre, der noch 1998, rechtzeitig zu Beginn der 1000-Jahrfeier der Stadt im neuen Glanz erstrahlte. Möge dieser gesegnete Ort zum Segen für Viele bleiben!